deshalb. deshalb strebe ich nicht mehr an, was einst das ende meines glaubens war. ich habe nicht mehr das bedürfnis, in ziele zu fliehen, die andere mir vorgeben, noch in die verheißung eines selbstgeschaffenen ziels. die welt um mich herum ist längst ein spiegel meiner eigenen illusionen. sie zeigt mir, was ich will und nicht, was ich wirklich brauche. der abgrund zwischen diesen beiden welten wächst, je mehr ich versuche, ihn zu überbrücken. aber je weiter ich gehe, desto weniger finde ich, was ich suchte, und desto mehr verliere ich mich in der suche selbst.
und doch – der augenblick, in dem der blick auf das eigene leben sich von den verklärenden filtern der erhofften zukunft befreit, lässt mich nicht ruhen. es wird zu einem alles erdrückenden wissen, das mich weder befreit noch tröstet. die welt um mich – sie ist nicht meine entscheidung. ich finde mich in einem kreislauf, der so selbstverständlich und doch so fremd wirkt. es ist nicht die antwort, die mich hierherführt, sondern die fragen, die ich selbst noch nicht zu stellen vermag.
deshalb wähle ich, was mich nicht belastet. was mich in den gegenwärtigen moment führt. und das ist nicht der versuch, dinge festzuhalten, sondern der mut, sie loszulassen. ich habe verstanden, dass das festhalten an einem idealisierten bild von mir selbst, das die welt von mir erwartet, nichts anderes ist als eine art von selbstverleugnung. ich entscheide nicht, was ich sein möchte, ich erkenne nur, wer ich bin, ohne dass dies die welt verändern muss.
was andere als zu viel empfinden, ist nichts weiter als eine reflexion ihrer eigenen grenzen. ich halte mich an diese grenzen nicht. nicht, weil ich über sie hinausgehen will, sondern weil sie mich nicht definieren. was ich tue, ist nicht die antwort auf die frage, wie es zu sein hat, sondern die anerkennung, dass es keinen festen weg gibt. die vielfalt der gedanken und wahrnehmungen ist das einzige, was mich stützt – aber auch das, was mich zerreißt.
ich reihe die momente aneinander, nicht in der hoffnung, dass sie mehr sind als der augenblick selbst, sondern weil jeder moment seinen eigenen wert besitzt. jeder ist für sich, und doch ist er auch immer ein teil von etwas größerem. ich erwarte nichts von ihm, außer dass er mich für einen moment mit sich trägt. die sonne geht im nebel auf, und der regen bereitet sich darauf vor, den boden zu befeuchten. doch es bleibt nichts – und doch bleibt alles. weil wir es so sehen, weil wir es so empfinden.
deshalb übernehme ich nur das, was mich nicht belastet. was mich glücklicher machen könnte – jetzt, in diesem moment, nie in einem anderen. ich versuche diese momente möglichst nahtlos aneinanderzureihen, ohne stopp. ohne fixierung auf eine vermeintliche unzumutbarkeit, die in den augen anderer vielleicht als zu viel, zu extrovertiert oder gar überheblich empfunden werden könnte. und das ist es, was ich mir selbst zugestehe: dass ich nicht dafür verantwortlich bin, die welt zu rechtfertigen, nur weil sie in ihren eigenen grenzen steckt.
du kannst mitgehen, wenn du dazu bereit bist, dich auf diesem weg wohlzufühlen. du bist herzlich eingeladen, ihn zu begleiten, doch dies ist keine aufforderung. es ist lediglich ein angebot, das in dir selbst etwas widerhallt. klare augen, nicht klagend, vorausgesetzt – denn das bringt nichts. was bleibt, ist die kraft, den eigenen weg zu gehen, ohne zu warten, dass andere mitgehen oder es in ihre vorstellungen einordnen.
vielleicht verändert mich das. jetzt. vielleicht morgen schon nicht mehr – wer weiß. aber jetzt, im jetzt, stille ich meine ungeduld nach mir selbst. wer das nicht versteht, bleibt nicht zurück, denn jeder braucht seine zeit für seine eigene erkenntnis und die ist vermutlich auch nicht der weisheit letzter schluss. die wahre erkenntnis liegt nicht im erreichen eines ziels, sondern im zulassen des momentanen erlebens und im akzeptieren des flusses der zeit.
deshalb, nur deshalb, lasse ich es mir gut gehen. weil all das elend, all die negativen bilder, all die medien, die daran verdienen, eine berechtigung haben – auch für mich. sie halfen mir mein, das, leben frei zu setzen, mein eigenes ich nicht egoistisch zu vernetzen, sondern zu helfen, dass ich mein gutgehen-lassen nicht verlasse.
deshalb – und nur deshalb – lasse ich die sonne auch im nebel leuchten. und wenn es regnet? das ist mir dann auch egal. deshalb nämlich, weil nichts bleibt. und doch bleibt alles. weil wir es sehen, weil wir es fühlen. und in dieser gewissheit liegt die freiheit, den eigenen weg ohne last zu gehen, ohne nach einer erklärung zu suchen, die andere mit einem vielleicht nie verstehen würden.
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