sie predigen wasser und trinken wein. sie fordern sensibilität und üben ausschluss. sie sprechen von toleranz und setzen grenzen dort, wo fragen beginnen.
cancel culture – nicht als schutz der schwachen, sondern als werkzeug derer, die bestimmen, was sagbar ist. nicht die, die hinterfragt werden, sind die unterdrückten, sondern die, denen das wort entzogen wird. diskurs wird ersetzt durch moralische urteile, argumente durch etiketten. wer sich nicht fügt, wird an den rand gedrängt – nicht durch überzeugung, sondern durch das fehlen von alternativen.
wer auf den straßen klebt, fordert aufmerksamkeit, aber nicht für den widerspruch. die dringlichkeit gilt der eigenen perspektive, nicht der offenheit für andere erfahrungen. wenn widerrede nicht mehr geduldet wird – ist das noch über zeiten und orte hinweg gerecht?
die masse schweigt. nicht aus überzeugung, sondern aus ermüdung. weil das spiel der empörung keinen ausstieg kennt. weil fragen riskant geworden sind. ist schweigen ein zustimmen? oder einfach nur das eingeständnis, dass es mühsam ist, sich in einem feld zu bewegen, in dem die regeln ständig neu geschrieben werden?
identitäten werden deklariert, definiert, verteidigt – doch wann wird aus schutz bevormundung? wenn worte umgeschrieben werden, um die vergangenheit zu korrigieren, was bleibt dann von ihr übrig? kann sprache bereinigt werden, ohne dass geschichte ihre schärfe verliert? ich bin nicht neutral. aber auch nicht dogmatisch. und vielleicht ist es genau das, was verdächtig geworden ist.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen