kerzen existieren nur zum verbrennen. ihr licht ist kein zustand, sondern ein prozess des vergehens. sie leuchten, solange der docht reicht, solange das wachs sie nährt. eine weile ist die flamme stabil, sie wärmt, sie beruhigt. dann beginnt das flackern – ein letztes zucken vor dem unvermeidlichen erlöschen. und noch bevor der rauch verflogen ist, wird die nächste kerze entzündet.
denn es geht nicht nur um licht. sonst würde ein schalter genügen – kalt, funktional, zuverlässig. doch elektrisches licht ist helligkeit ohne geschichte, ohne entstehung und vergehen, ohne das leise knistern, das an die zeit erinnert. eine kerze leuchtet nicht nur, sie lebt. ihr schein ist weicher, ihr schatten tiefer, ihre wärme spürbar. sie schafft nicht bloß sichtbarkeit, sondern raum – für ruhe, für gegenwart, für das, was im grellen licht verschwindet.
und doch bleibt sie austauschbar. ihr leuchten ist nie von dauer, nur ein vorübergehender zustand, der sich fortsetzt, solange es hände gibt, die neue flammen entfachen. ein stilles, fast unmerkliches ritual – das verschwinden der einen macht platz für die nächste.
aber was, wenn die kerzen es wüssten? wenn sie ahnten, dass ihr dasein nur übergang ist, ein funktionales zwischenspiel zwischen anfang und ende? wäre das flackern dann ein aufbegehren oder nur der letzte reflex einer flamme, die sich nicht anders zu verhalten weiß? oder ist es genau diese stille tragik, die uns immer wieder dazu bringt, eine neue kerze zu entzünden – nicht, weil sie brennen muss, sondern weil wir das vergehen in ihrem licht für einen moment vergessen können?
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