wer sich beim denken zuschaut, betreibt ein bewusstsein zweiter ordnung – denkt nicht nur, sondern beobachtet sich beim denken. das ist selten geworden. inakzeptabel geworden. reflexion ist langsam, unökonomisch, unmodisch. wer reflektiert, wird oft gebremst, als würde bewusstes denken zu viel aufdecken, was sich schneller leben lässt, wenn man es übersieht. ausgeschlossen wird vieles: widersprüche, ambivalenzen, unkomfortable wahrheiten. ausgesperrt wird das unpraktische denken. was bleibt, ist oft das nützliche, das meinungskompatible, das zustimmungsfähige.
die meinung driftet ab – in richtung gruppenzugehörigkeit, algorithmen-gelenkter bestätigung, bequemlichkeit. was sich gut anfühlt, wird geglaubt. was zu viel verlangt, wird verworfen. was in 280 zeichen passt, wird diskutiert. der rest driftet ins abseits der als fehlend erklärten relevanz.
beeinflusst wird das ganze „begreifen-wollende konstrukt“ vom überangebot an eindrücken, von ideologischen flachbildschirmen, von performativem wissen, das sich eher inszeniert als erarbeitet. das konstrukt will begreifen, aber es wird dabei überflutet. manchmal denkt es, aber es wird des denkens gedacht – oder der versuch dazu angedacht. und doch: hin und wieder sitzt jemand still da, denkt und schreibt, zweifelt, lacht leise über sich selbst – und schaut sich beim denken zu. da beginnt der widerstand.
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